07.05.2021 / Aktuelles

Pilotprojekt Digitales BOGY-Praktikum: ein voller Erfolg

Es geht: Unser Pilotprojekt für ein digitales BoGy-Praktikum im Architekturbüro zeigt, dass Praktika auch in Pandemie-Zeiten funktionieren. Das kann eine Inspiration für andere Unternehmen sein – auch unabhängig von Corona.

Normalerweise finden sich im Frühjahr und im Herbst eine Reihe BOGY-Praktikanten bei uns im Büro ein. Nicht selten sind es zehn Jugendliche gleichzeitig gewesen, die innerhalb einer Woche einen Einblick in die Arbeitswelt eines Architekturbüros gewinnen konnten. Doch seit über einem Jahr ist alles anders: unter den Umständen, die die Pandemie mit sich bringt, ließ sich das Präsenzpraktikum nicht realisieren. Nicht zuletzt ist aber ein Praktikum häufig ausschlaggebend für die Berufswahl. Unserem Team, allen voran Saskia Gaus-Mens, hat dieser Umstand keine Ruhe gelassen – zu wichtig ist es, die Nachwuchsförderung und viel mehr die Architekturvermittlung aktiv zu betreiben und Jugendlichen eine Perspektive zu geben. Aus diesem Grund wurde innerhalb weniger Wochen ein Pilotprojekt für ein digitales Praktikum entwickelt. Mit an Bord war Bianca Schich, Koordinatorin für Berufs- und Studienorientierung vom Stuttgarter Gymnasium Königin Katharina-Stift. Mit ihr wurde die Vorgehensweise des digitalen Praktikums abgestimmt.

Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler während des Praktikums mit allen Leistungsphasen in Kontakt kommen und einen Eindruck über die Bedeutung von Architektur gewinnen. Daher gibt es auch seit Jahren schon die Bildungspartnerschaft mit dem Hohenstaufen-Gymnasium in Göppingen.

Das Pilotprojekt stieß auf euphorische Zustimmung – schnell waren elf Zehntklässler gefunden. Mit großem Engagement wurde das einwöchige digitale Format so realitätsnah wie möglich konzipiert. Sowohl die Erarbeitung von Informationsmaterial als auch die Betreuung der Schülerinnen und Schüler lag hauptsächlich bei den Bauzeichner-Auszubildenden sowie einer Vorpraktikantin von Gaus Architekten. Mit Unterstützung der IHK Göppingen, die dieses Pilotprojekt sehr begrüßte, war auch zügig eine erprobte digitale Plattform zur Kommunikation und zum Austausch passend vorbereitet. Schließlich wurde auch seitens der IHK bestätigt, wie schwierig es derzeit ist, Praktikums- oder gar Lehrplätze zu vermitteln, da Unternehmen in Anbetracht der Situation recht zurückhaltend bei der Vergabe sind.

Neben einer Projektmappe, die umfangreiche Infos über den Ablauf der Woche, die Aufgabenstellung erläuterte und das Architekturbüro beschrieb, erhielten die Gymnasiasten Angaben zu Materialen und Hilfsmittel, die bereitgehalten werden sollten. So waren alle für den Start des ersten digitalen Praktikums gewappnet. Die Woche wurde mit enger Begleitung der Schüler*innen konzipiert: Nach einer Präsentation zum Berufsbild und die Arbeit in einem Architekturbüro zum Start, wurde die Aufgaben verteilt und die Jugendlichen machten sich anschließend ans Werk. Die Aufgabe war, ein Haus in Form eines Würfels zu konzipieren und zu bauen. Täglich wurde morgens mit einem gemeinsamen Kick Off gestartet, mittags trafen sich alle wieder zum gemeinsamen Meeting und abends wurde der jeweilige Tag abschließend in der Gruppe reflektiert. Für Rückfragen stand das Orga-Team des Architekturbüros in einem separaten Chatroom ganztägig zur Verfügung. Alles lief über eine für solche Formate passende digitale Plattform, die einwandfrei funktionierte.

Am letzten Tag stellten alle ihre Modelle in einem Präsentationsmeeting vor und eine digitale Umfrage wurde durchgeführt. Die Begeisterung über die Praktikumswoche war durchgängig. „Es war wirklich richtig toll, vielen Dank nochmal an euch alle!“ und „Ich wusste wirklich nicht, was ich erwarten kann, aber es hat meine höchstmöglichen Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen.“ äußern die Teilnehmenden. Allerdings gab es durchaus auch Stimmen, dass der persönliche Berufswunsch wohl in eine andere Richtung gehen werde. Und auch dies wertet Christian Gaus als Erfolg: „Genau dafür ist solch ein Praktikum ja gedacht: Dass sich die jungen Menschen ein realistisches Bild von der Tätigkeit in einem Architekturbüro machen und schauen, ob sie zu ihren persönlichen Talenten und Eigenheiten passt.“ Außerdem resümiert er: „Ja, es hat sich gelohnt und gezeigt: es geht richtig gut so digital.“ Abschließend kann ein durchweg positives Fazit gezogen werden. Auch Bianca Schich ist begeistert: „Alle Aspekte, die aus Lehrerperspektive wichtig sind, sind vollumfänglich erfüllt worden. Daher hoffen wir sehr, dass dieses bahnbrechende Pilotprojekt als Blaupause für viele andere Unternehmen dient“.

Unser ganzes Team war noch nach dem Praktikum ganz euphorisch. Zum einen, weil es technisch und organisatorisch sehr gut funktionierte, zum zweiten, weil die Schülerinnen und Schüler begeistert waren und zum dritten, weil ein durchaus größerer Aspekt erfüllt wurde: Den Jugendlichen in der Zeit von Corona und darüber hinaus die Möglichkeit zur Berufsorientierung zu geben. Unternehmen (egal welcher Größe) sollen inspiriert und motiviert werden, mit etwas Mut und Engagement solche Formate umzusetzen. Denn unsere Zukunft ist die Jugend und nicht wenige Branchen leiden unter Nachwuchsmangel.

Auch wenn das digitale Format sicherlich manch Einbußen mit sich bringt, insbesondere weil der persönliche Kontakt fehlt, überwiegen die Vorteile: mehrere Jugendliche gleichzeitig können teilnehmen, die Teilnehmenden sind ortsunabhängig und auch junge Menschen mit Behinderungen finden so eher die Chance, ein Praktikum zu absolvieren – so wie es bei diesem Pilotprojekt der Fall war. Wir möchten das Pilotprojekt in die Breite tragen und andere überzeugen, es nachzuahmen.

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